Wo bleiben sie, die Geschäftsideen in der Fitness-Branche?
abgelegt im Archiv Trends am 04.03.07
Darüber, dass körperliche Fitness sehr im Trend liegt, müssen wir wohl nicht diskutieren. Umso mehr wundert es mich, wie wenige innovative Geschäftsideen es in diesem Bereich gibt.
Fitness-Studios sprießen zwar aus dem Boden wir Pilze, viele sind sich aber doch sehr ähnlich. Gut, manche sind größer, manche kleiner, manche Geräte neuer, manche älter, manche Studios exklusiver und manche preiswerter.
Aber grundsätzlich ähneln sie sich: Geräte, Kursangebote, TrainerInnen, Wellness-Bereich. Punkt. Nicht soo besonders innovativ.
Dabei drängen sich die Ideen doch geradezu auf, man muss sich doch nur mal ein bisschen umschauen.
Z. B. hat Deloitte gerade mal wieder über 1000 Fitnessstudio-Kunden befragt.
Auf einer Skala von 1 (wichtig) bis 5 (unwichtig) übermittelten die Befragten folgendes Kriterien-Ranking für die Wahl "ihres" Fitness-Studios:
1. Standort des Clubs (1,3)
2. Qualität der Geräte (1,6)
3. Freundlichkeit des Personals (1,6)
4. Preis (1,8)
Ganz klar also: Die Kunden haben vor allem keine Lust auf lange Anfahrtswege.
Und schon ist die Geschäftsidee geboren: Nein, nicht 30 Studios in derselben Stadt aufbauen, um alle möglichen Kunden abzufischen. Viiiieeeel zu teuer und unrentabel.
Sondern das "Studio" zum Kunden schicken.
Mit Personal-Trainern und -Trainerinnen, die zu den Kunden hinfahren. Einen kürzeren Anfahrtsweg für den Kunden gibt es nicht. Es gibt unzählige Personal-Trainer. Die in der Regel nicht ausgelastet sind. Und schlecht bezahlt. Und administrativ und in Sachen Akquise überfordert.
Aber die Studios, die ich kenne, begreifen die Personal-Trainer als Konkurrenz und nicht als Möglichkeit, den Service für ihre Kunden zu verbessern. Ich glaube, diese Einstellung ist Bullshit.
Dazu brauche ich doch nur auf mich selbst zu gucken: Ich habe eine (übrigens richtig, richtig gute) Personal-Trainerin, die 2 x in der Woche zum Krafttraining usw. zu mir nach Hause kommt. UND ich gehe 2-3 x die Woche ins Fitnessstudio, um Step-aerobic im Kurs zu machen (ist die einzige Ausdauer-Sportart, die mir Spaß macht, und Steppen macht in der Gruppe mit Musi viel mehr Spaß als alleine).
Und: Ich HABE meine Trainerin in eben diesem Studio kennengelernt. Aber ich habe sie privat angesprochen. Wie clever wäre es gewesen, wenn mir das Studio eine Trainerin hätte vermitteln können.
Wie sich so was für ein Studio rechnen soll? Schlecht.
Aber mehrere Studios einer Stadt/einer Region könnten sich in Sachen Vermittlung von Personal-Training und Service für ihre Trainer zu einer Kooperation zusammenschließen und dabei mal den Konkurrenzgedanken vergessen. Ich glaube, davon würden ALLE profitieren.
Ganz einfach: Den freiberuflichen TrainerInnen wird das Leben von der Studio-Koop in mehreren Beziehungen erleichtert:
1. Die Trainer müssen weniger Aufwand für Akquise betreiben - macht ja zum Teil "ihr" Studio.
2. Den Trainern wird administrativer Aufwand abgenommen. Sie müssen sich z. B. nicht mehr selbst um eine Vertretung kümmern, wenn sie mal einen Termin nicht wahrnehmen können (mir hat mal ne Trainerin erzählt, sie habe an die 70 (!) Telefonate geführt und SMS verschickt, um ne Vertretung für eine (!) Stunde zu finden).
3. Die Studio-Koop könnte z. B. "Mengenrabatte" für die Trainer aushandeln bei Fort- und Weiterbildungen.
4. Tausend andere Möglichkeiten...
Ich bin sicher, die TrainerInnen würden unter diesen Umständen gern für niedrigere Stundensätze im Personal-Trainings-Bereich arbeiten. Zumal die meisten Fitness-Trainer weder begnadete Akquisiteure noch besonders bewanderte Administratoren sind. Und damit ließe sich die Koop finanzieren.
Und ich glaube nicht, dass ein Studio durch die offensive Vermittlung von Personal-Training auch nur einen Kunden verlieren würde.
Die Kunden, die NUR Personal Training machen wollen, würden sowieso nicht Studio-Mitglied werden und die "Misch-Kunden" wären sicher super-dankbar für solch einen Service und würden "ihr" Studio nur noch mehr lieben.
Und die Trainer? Wären deutlich entlastet und hätten mehr (produktive) Arbeit. Tatsachen, die Punkt 3 des Wichtigkeits-Rankings: Freundlichkeit des Personals - sicher zugute kämen.
P.S. Deloitte hat übrigens auch gerade seine neue Studie Der deutsche Fitness & Wellness Markt 2007 herausgebracht.
Aus der mir zwei Sätze ins Auge sprangen:1. In einem nahezu stagnierenden Fitness & Wellnessmarkt erobern Ketten neue Marktanteile.
Muss ja nicht gleich ne Kette sein, aber wie wär's mit einer zweckgebundenen Kooperation von unabhängigen Studios? ;-)2. Die Experten berichten von einem zunehmenden Preiskampf, der viele Studios bedroht.
Ich sach nur: Kräfte bündeln und dadurch Kosten sparen. Und: Raus aus der Preisdiskussion zurück in eine qualitative. Best service wins!

Tags: Fitness PersonalTrainer FitnessStudio Kundenbefragung Ranking Konkurrenz Kooperation
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