Texte über sich selbst sind die schwierigsten
abgelegt im Archiv Selbstmarketing am 08.11.07
Frage an die unter euch, die die eigene Unternehmenswebsite selbst betextet haben: Welche Seite fiel euch am schwersten?
Ich bin sicher, die meisten von euch werden antworten: Die "Über uns", Profil-, portrait-Seite oder wie immer sie bei euch heißt.
Im TextTreff findet gerade zu diesen Schweirigkeiten eine spannende Diskussion statt. Weitgehende Einigkeit besteht darin, dass eine "Über uns"-Seite gerade bei Dienstleistern unbedingt in den Unternehmens-Auftritt gehört. Sehe ich genauso. Wir haben keine Produkte anzubieten, die wir anpreisen können. Wie sind quasi selbst das Produkt. Unsere einzige Möglichkeit, potenzielle Kunden dazu zu bewegen, einen Vertrauensvorschuss in unser Unternehmen zu investieren und uns zu beauftragen besteht darin, dass die Interessenten Vertrauen zu uns selbst fassen. Und dazu müssen sie etwas über uns erfahren.
Weil aber unser Über-Ich immer mahnt, dass "Bescheidenheit eine Zier" ist und weil uns naturgemäß zu uns selbst die gesunde professionelle distanz fehlt, tun wir uns sehr schwer mit der Selbstdarstellung. (Meine Herren, was HAB ich an der Portrait-Seite gesessen...)
Lösungsvorschläge?
1. Durchkämpfen - das Sprichwort "Eigenlob stinkt" vergessen, sich mental auf die Kunden-Seite des Schreibtischs setzen, sich fragen, was ich als Kunde über diesen Menschen da gegenüber wissen wollen würde und munter drauf los erzählen. (Und hinterher wieder auf lese-erträgliches Maß zusammenkürzen, versteht sich) Klar darf man mit seinen Pfunden wuchern, also die eigenen Stärken erwähnen.
2. Heides Lösung: Sie führt - und das sogar alljährlich wieder - Interviews mit sich selbst. Ein kleiner Trick 17 mit Selbstüberlistung, um einerseits die nötige Distanz zu sich selbst zu schaffen, andererseits inhaltlich alles unterbringen zu können, was einem wichtig ist. Schließlich wurde man ja gefragt ;-)
3. Wenn man die Distanz zu sich selbst nicht hinkriegt - und das ist keine Schande - tatsächlich andere sprechen lassen. Freunde, Bekannte, Netzwerkpartner befragen, welche professionellen und persönlichen Stärken sie an mir bemerkenswert finden, was sie wichtig fänden, über mich zu wissen usw. Oder ihnen ein echtes Interview aufbrummen. Eines, in dem auch die Fragen von ihnen sind. Ja, das bedeutet Arbeit für sie, aber wozu hat man schließlich Freunde? ;-)
Habt ihr noch andere Ideen? Wie habt ihr's gelöst?

Tags: Selbstdarstellung Über+mich professionelle+Distanz Bescheidenheit Kundenvertrauen
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Kommentar von:
Karrierebibel
(08.11.07 7:49 Uhr)
Kommentar von:
Elke Fleing
(08.11.07 18:59 Uhr)
Jochen, da bin ich völlig d'accord mit dir. Aber anscheinend hab ich mich nicht gut genug ausgedrückt: Ich meinte "klassische Websites" und die dortige "Über uns"-Seite, ausnahmsweise mal nicht die Blogs.
Kommentar von:
C.P.Seibt
(11.03.10 18:26 Uhr)
Oder weg mit dem Spiegel: Ich seh nicht auf den Spiegel, um mich zu beschreiben, sondern in mich. Könnte heissen: Wie nehm ich mich wahr und wie sollten mich folglich andere wahrnehmen?
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Im Internet, insb. in Blogs, sehe ich das etwas anders. Gerade bei Blogs gibt es auch seitens der Leser eine hohe Identifikation mit dem Autor. Ich vermute sogar, der muss ab und an persönliches von sich herauslassen, um die Leser-Blog-Bindung zu erhöhen.