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Dienstleister: Honorare kalkulieren - und am Markt durchsetzen, Teil IV

abgelegt im Archiv Finanzen am 14.12.06

Dienstleister: Honorare kalkulieren - und am Markt durchsetzen, Teil IV
Die ersten drei Teile zu dieser Reihe finden Sie hier und hier und hier.

Und jetzt schreib ich Ihnen noch Näheres zu den drei Haupt-Motivations-Faktoren, die mich einen Auftrag annehmen oder ablehnen lassen.

Das Honorar ist natürlich ein wesentlicher Faktor bei meiner Entscheidungsfindung. Als Freiberuflerin muss ich mit meinen begrenzten zeitlichen Ressourcen - ich will halt nicht beliebig viele Leute anstellen oder mit beliebig vielen Sub-UnternehmerInnen zusammenarbeiten - sehr achtsam haushalten. Ich habe zwar kein Problem damit, ein Weilchen auch mal 18 Stunden am Tag zu arbeiten, aber die Betonung liegt hier deutlich auf "Weil-CHEN". Blockiere ich meine zeitlichen Kapazitäten also mit "schlecht" bezahlten Projekten, kann es passieren, dass ich deutlich besser bezahlte ablehnen muss. Und dann würde ich mich seeehr ärgern. Gar nicht gut für die seelische Ausgeglichenheit. Die laufenden schlechter bezahlten Projekte dann einfach liegen zu lassen, kommt ja wegen Karma und Berufsehre und all diesen hehren Dingen (leider) üüüberhaupt nicht in Frage.

Außerdem macht ein zu schlechtes Honorar auch nichts Gutes mit meiner Lust zu dem Job. Ich arbeite gern und möchte, dass das so bleibt. Ein gutes Honorar stimmt mich deutlich fröhlicher.

Manchmal allerdings kann es für mich unter wirtschaftlichen Aspekten auch Sinn machen, das Kriterium "Stimmt das Honorar?" auch dann zu bejahen, der nicht so gut bezahlt ist. Dann nämlich, wenn ich mir deutlich besser bezahlte Folgeaufträge vom selben Kunden verspreche. Zum Beispiel, weil er/sie gerade gründet, noch nicht so gut bestallt ist, ich aber an das Business dieses Kunden glaube. Und in der Regel habe ich ein ganz gutes Gefühl dafür.

Grundsätzlich nicht biete ich einem Neu-Kunden günstige "Einstiegskonditionen" an und NIE liefere ich gratis-"Probejobs". Bei den günstigen Neukunden-Konditionen glaube ich nämlich, dass man aus diesen Konditionen später kaum noch wieder raus, sprich: nach oben kommt. Das Anliegen eines kostenlosen Probejobs empfinde ich einfach als Unverschämtheit. Haben Sie schon mal einen Klempner gesehen, der Ihnen als beleg seines Könnens "das erste Waschbecken gratis" anschließt? Eben.

Die Reputation, die mir ein Job einbringt, kann vielfältiger Natur sein. Am naheliegendsten ist natürlich der Name eines illustren Kunden, den ich meiner Referenzliste hinzufügen darf. Es gibt aber auch Projekte, deren Ruf-fördernde Wirkung längerfristig zu betrachten ist. Z. B. mein "Job", dieses Blog zu schreiben. Hey, so ein kleines WeblöGlein macht auf der Referenzliste nicht viel her. Aber nach und nach lernen es immer mehr LeserInnen kennen und ich habe die Möglichkeit, mir längerfristig den Ruf einer ganz "ordentlichen Schreiberin, die sich mit Small Business-Zeugs auskennt" zu erbloggen.

Und es gibt noch eine Reputation, die nicht vergessen werden sollte: Sich ehrenamtlich für eine gute Sache zu engagieren, kann - wenn vielleicht auch nicht meiner direkten geschäftlichen Reputation - dem Ruf meiner Person förderlich sein. Und als Unternehmer setzt man ja auch immer seine ganze Persönlichkeit der Öffentlichkeit aus.

Der Spaß an einem Job, die Lust dazu ist für mich ein ganz entscheidendes Kriterium zu einem Jobangebot zu nicken oder "och, nein danke" zu sagen. Diese Wahl zu haben, war schon immer einer Haupt-Beweggründe, mich selbstständig zu machen. Und ist es immer noch.

"Spaß" kann sein, dass ich mir viele Flow-Momente während des Jobs verspreche, weil ich das Thema oder das Projekt an sich oder eine neue Methode, eine neue Branche, eine neu auszuprobierende Tonalität, in der ich zu texten habe oder was auch immer sehr spannend finde.

Spaß heißt auf jeden Fall auch, dass die Chemie mit meinen Kunden stimmt, dass es zwischenmenschlich passt. Ich erlaube mir tatsächlich, Jobs abzulehnen, weil die menschliche Konstellation zwischen dem potenziellen Kunden und mir nicht stimmt. In meinem Beruf ist das sogar fast Pflicht, finde ich, denn ich kann nicht für jemanden texten, mit dem ich mich nicht verstehe, mit dem ich nicht einigermaßen auf einer Wellenlänge schwimme. Er wird meine Texte nämlich nie mögen - weil auch er nicht mit mir auf einer Wellenlänge schwimmt.

Und er würde mir wahrscheinlich am Ende auch einen weiteren wichtigen Spaßfaktor nicht bieten können: Anerkennung und Lob. Das sind zwei Dinge, die ich sehr genießen kann und die unter vielen anderen auch eine Triebfeder beim Arbeiten für mich darstellen.

Und ja, der Faktor "Spaß" ist von allen dreien noch am ehesten der, der mich einen Job zusagen lässt, auch wenn Honorar und Reputationsförderung nicht sooo dolle sind. Aber ich liebe meinen Job nun mal sehr, und wenn dann da noch jemand ist, den ich einfach supernett finde und dem ich was Gutes tun will - dann passiert's schon mal. Aber sehr selten. Und ich darf das. Weil ich ein Mähähädchen bin ;-)

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Tags: Auftrag  Job  Projekt  annehmen  ablehnen  HonorarKalkulation  Motivationsfaktoren  Motivation  Honorar  Flow 

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