Die Sprache des Kunden sprechen, voller Leidenschaft – wie Paulus
Posted by admin in Akquise

So, jetzt beginnt in Deutschland gleich die 5. Jahreszeit und wir Business Blog-Karnevaller verabschieden uns mit einem ordentlichen Diener rspkt. Knicks.
Aber einen letzten Beitrag eines nicht bloggenden Experten kann ich gerade noch unterbringen:
Einen gekürzten Ausschnitt aus dem Buch "Historisches für Führungskräfte" von Jan Demas. Jan Demas hat Jura, Literaturgeschichte und Philosophie studiert. Er arbeitete bei der Spitzenorganisation der deutschen Wissenschaft, übersetzte Sachbücher und Romane, war in leitender Funktion in der Medienbranche tätig und ist heute Mitinhaber eines Beratungsunternehmens. Er ist Autor der Bücher "Historisches für Führungskräfte" und "Philosophisches für Manager". Kontakt via Agentur Gorus
Und hier ist Jan Demas' Beitrag zum 1. Business Blog-Karneval in Deutschland:
Paulus hat das Christentum buchstäblich vermarktet – in fast allen bedeutenden Städten des Römischen Reiches tauchte er irgendwann auf, stellte sich auf den Marktplatz und begann, zu den Menschen zu sprechen. Dabei war er um vieles erfolgreicher als seine zahllosen Mitbewerber – Wanderphilosophen, Prediger, Wunderheiler. Paulus von Tarsus (um 5-64) steht für den größten Marketingerfolg der Geschichte. Er trug entscheidend dazu bei, dass das Christentum von einer jüdischen Reformbewegung zur Weltreligion werden konnte. Rund 25 Jahre lang reiste er durch nahezu den gesamten Mittelmeerraum und gründete dort zahlreiche Gemeinden. Weil er die Sprache der Menschen sprach und seine Gruppen intensiv betreute, war er nachhaltig erfolgreich.
Warum?
Als streng gläubiger Jude lernte Paulus früh Hebräisch, die Sprache der Heiligen Schrift der Juden. Unter den im Römischen Reich lebenden Juden gehörte Paulus zu den Privilegierten, denn er besaß das volle römische Bürgerrecht. Geistig orientierte er sich als junger Mann jedoch zunächst nach Jerusalem, schloss sich der Gemeinschaft der Pharisäer an und bekämpfte die ersten Christen voller Zorn. Dann veränderte eine Begegnung sein Leben, von der er immer nur sehr zurückhaltend spricht. Im Jahr 33, also drei Jahre nach dem Tod Jesu von Nazareth am 7. April 30, will er diesem jesus auf eine Weise begegnet sein, über die er keine Einzelheiten mitteilt. Er versichert nur immer wieder, von Jesus seinen Lebensauftrag bekommen zu haben und ihn mit dessen Hilfe zu erfüllen. Dieser Auftrag war, Nichtjuden mit der Antwort Jesu auf die Sinnfrage des Lebens bekannt zu machen.
Deshalb also ein Leben auf Reisen, ohne Familie, aber in Begleitung meist junger Männer wie Timotheus, denen er viel Verantwortung übertrug und sie bisweilen heikle Aufträge selbstständig ausführen ließ. Die lange Periode des Friedens in der römischen Kaiserzeit hatte das Reisen erstmals in der Geschichte für viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit gemacht. Im Reich gab es insgesamt etwa 300.000 Kilometer Fernstraßen, dazu gute und preiswerte Schiffsverbindungen, die von Händlern, Pilgern und so genannten Bildungsreisenden – sprich: Touristen – gern in Anspruch genommen wurden.
Der intellektuelle und religiöse Pluralismus der römischen Welt machte es Paulus relativ leicht, in einer neuen Stadt für die Sache "seines" Jesus Christus zu werben. Als kraftvoll-dynamische und hoch emotionale Persönlichkeit wurde er wahrgenommen – dabei vom äußeren Eindruck her eher schwächlich, gewiss kein Athlet. In jeder Stadt fand er schnell Menschen, die das, was er sagte, überzeugte. Eine Ausnahme bildete lediglich athen, das Zentrum griechisch-philosophischer Bildung, wo Paulus mit seiner praktischen, zupackenden Art wahrscheinlich den hohen Ton nicht recht traf und deshalb abblitzte. Überall sonst zwischen Syrien und Italien gründete er christliche Gemeinden und behielt diesen auch nach heutigen Maßstäben großen Aktionsraum stets im Überblick.
Die Sprache der Menschen, die sich zu den neuen Gemeinschaften zusammenschlossen, sprach Paulus gleich in doppelter Hinsicht: als griechisch sprechender Stadtbürger und als jemand, der seit seiner Kindheit mit den populären Ansichten der hellenischen Welt vertraut war. Aus manchen Äußerungen des Paulus scheint so stark der damalige Zeitgeist hindurch, dass man sich fragen könnte, ob sie überhaupt noch "christlich" sind. Begriffe wie "Evangelium", "Verkündigung", "Glaube", "Offenbarung" oder "Charisma" fand er in der nichtchristlichen griechischen Kultur bereits vor, griff sie auf und gab ihnen einen neuen Sinn. Die Briefe des Paulus, die heute kaum noch jemand versteht, müssen damals den Nerv der Adressaten genau getroffen haben. Im Übrigen verbreitete er das, was sich an Positionen in den Gemeinden von Jerusalem und Antiochia als Gemeingut über Jesus Christus herausgebildet hatte. Er schuf weder ein eigenes noch das eigentliche Christentum, sondern brachte die Dinge auf moderne Begriffe, die auf der ganzen Welt verständlich waren.
Paulus blieb immer so lange bei einer von ihm gegründeten Gemeinde, bis diese selbstständig leben konnte. Das dauerte mal Wochen, mal Monate und mal Jahre. Wenn er weitergezogen war, hielt er mit den Gemeinden brieflich Kontakt. Überliefert sind nur wenige Briefe aus den letzten Jahren seiner Tätigkeit. Sie geben einen guten Eindruck, wie Paulus sich bemühte, Streitfragen zu klären und die Gemeinde in ihrer Entwicklung voranzubringen.
Immer wieder ist ihm vor allem eines wichtig: Jeder kann Christ werden, und jeder kann es auf seine Art und Weise sein. In den Gemeinden kommt es nämlich regelmäßig dazu, dass Einzelne wegen ihrer jüdischen Abstammung, ihres Wohlstands oder ihrer Nähe zu einer bestimmten Philosophie glauben, die besseren oder gar die einzig wahren Christen zu sein. Paulus hält leidenschaftlich dagegen. Und wenn irgendwo die Dinge aus dem Ruder zu laufen drohen, schickt er Timotheus oder einen anderen Mitarbeiter dorthin, um nach dem Rechten zu sehen. Sollte es ganz schlecht aussehen, dann macht er sich persönlich auch auf den weitesten Weg.
Dazu war niemand der anderen Wanderprediger und Gebrauchsphilosophen bereit. Sie tauchten auf, hielten ihre Reden, kassierten ein wenig Geld und verschwanden wieder. Paulus nahm nie Geld, außer für seine selbst genähten Zelte. Dafür hatten seine Gemeinden auch dann das Gefühl, dass er sich um sie kümmerte, wenn er gerade hunderte Kilometer entfernt war. Paulus von Tarsus, der Weltbürger, der die griechisch-römische und die jüdische Kultur in sich vereinte, dessen große Stärke es war, sich ganz auf aktuelle Fragen zu konzentrieren und diese vom Grundsätzlichen her zu beantworten, sah sich selbst nicht wirklich als etwas Besonderes. Er war sich allerdings bewusst, dass er mehr zu leisten bereit war als andere und damit auch mehr Erfolg hatte.
Erfolgreiches Marketing bedeutet, nah am Kunden zu sein und die Sprache des Kunden zu sprechen. Wer dem Kunden das Gefühl gibt, im Mittelpunkt zu stehen und sich überdurchschnittlich für ihn engagiert, stellt die Weichen für den Erfolg. Allerdings muss das Produkt ebenso herausragend sein wie das Marketing und dem Kunden wirklich etwas Einzigartiges bieten, sonst ist alle Mühe schnell vergebens.
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