Die hohe Kunst, auf "Unvorhersehbares" vorbereitet zu sein
abgelegt im Archiv Arbeitstechniken am 22.02.07
Apropos Röthlingshöfer
siehe Lösungsbäckers Kommentar zum Beitrag über Mundpropaganda - Mensch, Knut, natürlich weiß ich, dass es in Marketeasing auch darum geht - ich inhaliere sozusagen Bernds Bücher immer so ziemlich direkt nach Erscheinen, sie sind einfach nur gut. Außerdem haben Bernd und ich schon sehr nett das eine oder andere Bierchen zusammen genommen und dabei tüchtig rumkreativelt. Aber ich darf ja auch MAL über wen anders schreiben, oder? ;-)
Also noch mal: A propos Röthlingshöfer. Seinen von heute fand ich richtig gut. Den zitier' ich einfach mal (fast) komplett:"Eines Tages hat ein Kunde den Support angerufen und sich beklagt, dass seine Tastatur nicht geht. Viele Tastaturen gehen nicht, weil sie nicht angeschlossen sind. Aber es wäre schlecht den Kunden zu fragen: 'Sind Sie sicher, dass Sie die Tastatur angeschlossen haben? Dann stünde der Kunde ja wie ein kompletter Idiot da.'
Sagen Sie stattdessen zum Kunden: 'Manchmal legt sich ein bisschen Staub auf den Stecker. Ziehen Sie ihn raus, blasen Sie den Staub weg und stecken Sie ihn wieder rein.'
Der Kunde wird unter den Tisch krabbeln und feststellen, dass der Stecker nicht drin war. Er wird ans Telefon zurückkommen und sagen 'Danke, das war's. Jetzt funktioniert die Tastatur wieder."
Dazu fällt mir Folgendes ein: Als ich noch Musiker auf Tour geschickt habe (ja, habe ich auch mal gemacht, 15 Jahre lang sogar) gab es immer mal wieder die Situation, dass irgendwann mitten in der Show der Strom ausfiel. Passiert einfach. Und dann? Ihr glaubt gar nicht, wie viele Bands dann wie Kalle doof auf der Bühne standen und NULL Idee hatten, wie sie in dieser Zwangspause das Publikum bei der Stange halten sollten. Suuuperpeinlich. (Und als Tourveranstalter steht man dann am Bühnenrand und möchte einfach nur sofort sterben.)
So was ist mir unerklärlich. Warum?
Es ist so sicher wie das "Amen" in der Kirche, dass während einer langen Club-Tour irgendwann mal der Strom ausfällt.
Aha. Und was macht der gewiefte Künstler?
Genau: Er bereitet sich VOR der Tournee auf solche möglichen Worst-Cases vor. D. h. die Band probt "Guantanamera" oder sonst irgend so 'nen Lagerfeuer-Schwoof und muckt unplugged fröhlich singend mit dem Publikum weiter, bis der Saft wieder da ist. Oder einer der Musiker hat 'ne schicke Comedy-Nummer auf Tasche, die auch ohne Strom funktioniert. Oder die Jungs trällern à cappella. Oder IRGEND ETWAS Pfiffiges. Pfiffiger jedenfalls, als wie Falschgeld auf der Bühne zu stehen und Löcher in die eigenen Turnschuhe zu starren.
Für mich fällt der Beitrag von Bernd in dieselbe Kategorie. Und ist ein schönes Lehrstück für uns alle:
Es gibt zig Situationen, die so blöd sind, dass wie uns wünschen, sie würden uns in unserem Geschäftsleben nicht begegnen oder passieren. Zum Beispiel sehr..., äh, sehr..., also Kundenfragen, bei denen es fast unmöglich ist, sie zu beantworten UND dem Kunden sein Gesicht zu lassen. Oder technische Pannen bei elektronisch verstärkter Musik. Oder, oder.
Ich bin sicher, jedem von uns fallen für sein Business aus dem Stand 5 oder 6 solcher Situationen ein, die er oder sie lieber nicht erleben möchte.
Aber sie passieren. Wahrscheinlich. Irgendwann.
Also ist es doch besser, wir sind darauf vorbereitet und haben im Fall der Fälle 'ne pfiffige Lösung in petto. Und die Nummer mit dem Staub wegblasen finde ich seeeehr diplomatisch gelöst. Menschen ihr Gesicht zu lassen finde ich ganz wichtig.
Machen wir also unsere Hausaufgaben, proben wir worst-case- oder blöde-Fragen-Szenarios...

Sagen Sie stattdessen zum Kunden: 'Manchmal legt sich ein bisschen Staub auf den Stecker. Ziehen Sie ihn raus, blasen Sie den Staub weg und stecken Sie ihn wieder rein.'
Der Kunde wird unter den Tisch krabbeln und feststellen, dass der Stecker nicht drin war. Er wird ans Telefon zurückkommen und sagen 'Danke, das war's. Jetzt funktioniert die Tastatur wieder."
Tags: WorstCaseSzenario Pannen+proben Vorbereitung Umgang+mit+Kunden
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Kommentar von:
wabe
(22.02.07 20:18 Uhr)
Kommentar von:
Elke Fleing
(22.02.07 23:02 Uhr)
Klar gibt es Dinge, die SO unvorhersehbar sind, dass man wirklich improvisieren muss. Aber es gibt auch andere, die es nur scheinbar sind: Wie z. B. die Kundenfrage um Hilfe von der Hotline, wenn der Stecker nicht eingesteckt ist. Oder ausfallender Strom bei einem Rock-Konzert. Und mal ehrlich: So unwahrscheinlich finde ich den Fall für einen Trainer nicht, an durchaus ungewöhnlichen Orten sein Seminar geben zu müssen. Auf beengte Platzverhältnisse - und nicht anderes bedeutet eine Küche in praxi - kann ein guter Trainer sehr wohl vorbereitet sein.
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Ich würde mich nie auf eine bestimmte Situation vorbereiten, sondern immer versuchen, kreativ und individuell vorzugehen.
Ein Beispiel: Was machen Sie, wenn Sie ein Seminar in der Küche des Firmeninhabers durchführen müssen, also auf die Idee wäre vorher nie gekommen.