28Mrz
Das Cluetrain-Manifest - Märkte sind Gespräche

Auf die Gefahr hin, dass ich heute Binsenweisheiten erzähle, dass die meisten unter euch es – natürlich – schon kennen: ich stell euch heute das Cluetrain-Manifest vor.

(Merkt ja niemand, dass ihr es vielleicht doch noch nicht kanntet ;-) – Und soll ich euch was sagen? Ich hab zwar schon oft und oft Zitate aus dem Manifest irgendwo gelesen und musste dabei immer zustimmend nicken, aber das Manifest selbst kenn' ich auch erst seit ein paar bummeligen Monaten.)

In ganz vielen Veröffentlichungen über Marketing, speziell Online-Marketing wird sich darauf bezogen, wird es zitiert, werden Teile daraus zum Credo erhoben.

Worum geht's im Cluetrain Manifest? Wikipedia fasst das gut zusammen:

Das Cluetrain-Manifest (engl. cluetrain manifesto) ist der Titel einer Sammlung von 95 Thesen über das Verhältnis von Unternehmen und ihren Kunden im Zeitalter des Internets und der New Economy, die 1999 (zu Hochzeiten des Dotcom-Booms) von den US-Amerikanern rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger veröffentlicht und von zahlreichen bekannten Experten (etwa Eric S. Raymond) unterschrieben wurde. Später erschien auch ein Buch unter diesem Titel.
In der Form wird Bezug genommen auf die 95 Thesen des Reformators Martin Luther.

Aussage: Pragmatische Sicht auf Menschen und Märkte unter Einbeziehung der neuen Kommunikationswege wie z. B. des Internets und der Handykommunikation. Die Grundlage des Manifests bilden die Beziehungen der Menschen untereinander und die Beziehungen der Unternehmen zu den Menschen bzw. den Märkten. Das Manifest basiert auf einer internationalen Sichtweise und versucht die Menschen der verschiedenen Kulturen unabhängig durch die Augen des Internets zu sehen und zu beschreiben.

Die Kernaussage des Cluetrain-Manifests in seinen eigenen Worten:

wenn du dieses jahr nur zeit für eine einsicht hast, dann sollte es diese sein …

wir sind keine zielgruppen oder endnutzer oder konsumenten.
wir sind menschen – und unser einfluss entzieht sich eurem zugriff.

kommt damit klar.
das cluetrain manifest

Hier mal ein paar meiner Lieblings-Thesen. (Obwohl, wenn ich das Manifest so immer mal wieder lese, sind eigentlich alle 95 dazu angetan, mir Muskelkater im Nacken durch beständiges Nicken zu verursachen.)

1. Märkte sind Gespräche.
2. Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Daten.

18. Unternehmen, die nicht begreifen, dass ihre Märkte jetzt von Person zu Person vernetzt sind, daraus resultierend intelligenter werden und sich in Gesprächen vereinen, versäumen ihre beste Chance.
19. Unternehmen können jetzt direkt mit ihren Märkten kommunizieren. Wenn Sie das verpatzen, könnte es ihre letzte Chance gewesen sein.

30. Markentreue ist wie frisch verliebt sein, – der Bruch kommt unweigerlich, und zwar schnell. Intelligente Märkte können, weil sie vernetzt sind, in Windeseile neue Kontakte knüpfen.
31. Vernetzte Märkte können ihre Lieferanten über Nacht wechseln. Vernetzte Wissensarbeiter können ihren arbeitgeber während des Mittagessens wechseln. Eure eigenen Gesundschrumpfungs-Maßnahmen haben uns gelehrt die Frage zu stellen: "Loyalität? Was ist das?"
32. Intelligente Märkte werden Liefernten finden, die Ihre Sprache sprechen.

83. Wir möchten, dass ihr uns 50 Millionen genauso ernst nehmt wie einen Reporter vom Wall Street Journal.
78. Ihr wollt, dass wir euch Geld geben? Dann gebt uns eure Aufmerksamkeit.

89. Wir haben wirkliche Macht, und wir wissen das. Wenn ihr das nicht erkennt, wird jemand anders daherkommen, jemand aufmerksameres, jemand interessanteres, jemand, mit dem es mehr Spaß macht zu spielen.

90. Sogar in seiner simpelsten Variante ist unser neu entdecktes Gespräch interessanter als eure Messen, unterhaltsamer als eure Sitcoms und ganz bestimmt lebensnaher als eure Unternehmenswebsites, die wir bisher gesehen haben.

Was mich am stärksten beeindruckt an diesem ganzen Manifest: Endlich, endlich werden "Menscheln" und echter Dialog, echte Gespräche zur unternehmerischen = menschlichen Tugend erhoben. Und zwar sehr schlüssig auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten.

Das war SOWAS von überfällig.
Und es stimmt mich ausgesprochen fröhlich. Weil es sich zufällig genau mit meiner Einstellung deckt.
Und es ist sprachlich einfach erfrischend: Parlando halt – geschrieben, wie der Schnabel gewachsen ist. Direkt, zum Austausch bereit, ein bisschen kodderschnäuzig (da lacht die Seele der Berliner Schnauze).

Quellen:
Die englischsprachige Originalpage
Das Buch zum Cluetrain-Manifest auf englisch
Das Buch zum Cluetrain-Manifest auf deutsch


You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Responses to “Das Cluetrain-Manifest – Märkte sind Gespräche”

  1. Frank Hamm sagt:

    Eine meiner Lieblingsthesen:

    84. Wir kennen ein paar Leute aus eurer Firma. Sie sind online recht cool. Habt ihr noch welche von der Sorte, die ihr versteckt? Dürfen sie rauskommen und mitspielen?

  2. Mas sollte das Buch nicht mit der Praxis verwechseln. Klar, Web2.0 geht in die Richtung. Hat sich realiter wirklich soviel seit 2000 verändert? Es gibt so viele Bücher, die darauf warten, entdeckt zu werden. Beispiel: Gerd Gerken, der Neue Manager, 1987.

Leave a Reply

Impressum