Bauchladen vs. Spezialisierung
Posted by admin in Strategien

Einen ganz spannenden Artikel fand ich im Manager-Magazin online.
In dem Interview Fokussieren bis zur Pleite mit Michael Raynor wird er zu seiner Theorie befragt, die in scharfem Widerspruch zur "herrschenden Meinung" der Management"gurus" steht.
Seit Jahren wird uns Unternehmern nämlich von allen Seiten gepredigt, wie sollen uns spezialisieren und unsere Strategie sehr stark in eine Richtung fokussieren, denn nur wer wage und "alles auf eine Karte" setze, könne heutzutage noch gewinnen.
Raynor sagt: Alles Unsinn, das Insolvenzrisiko bei solchen Unternehmen sei enorm hoch und nur wenige mit so engem Fokus seien besonders erfolgreich.
"Aber neeein" heult die Branche auf, man möge sich doch nur Unternehmen wie Apple etc. anschauen, und die Statistiken bestätigen doch auch alle, dass Spezialisierung das Non plus ultra für unternehmerischen Erfolg sei.
Ok, kontert Raynour, aber in welchen Medien und wie lange liest man schon von all den pleite gegangenen Unternehmen, die mit der Fokussierungs-Strategie baden gegangen sind? Und wer kann all den insolventen Firmen noch Fragebögen für die statistik schicken? Die sei deshalb logischer Weise ganz klar massiv verfälscht.
Und ob man mit enger Fokussierung Erfolg habe oder nicht, sei reine Glückssache.
Wirklich sehr spannender Artikel. Hab mich wirklich festgebissen.
Nur mit Raynours Schlussfolgerung kann ich nicht so viel anfangen, die kommt mir vor allem für Kleinunternehmen nicht anwendbar vor.
Nein, nein, er sei durchaus auch nicht für das Konglomerat, den bauchladen, den Gemischtwarenladen, er sei schon dafür, dass die Unternehmen sich spezialisieren:
Raynor: Nein, denn im klassischen Konglomerat leben die einzelnen Unternehmensbereiche nebeneinander her, ohne dass daraus zusätzlicher Wert entsteht. Allerdings legen unsere Forschungsergebnisse in der Tat nahe, dass man durch richtige Diversifizierung Wert schaffen kann. Ich nenne diesen Ansatz "strategische Flexibilität".mm: Klingt nach einem typischen Beraterschlagwort. Was verbirgt sich dahinter?
Raynor: Die einzelnen Geschäftseinheiten eines Unternehmens sollten sich durchaus auf klare, mutige Strategien festlegen und die dadurch mögliche höhere Rendite abschöpfen. Der CEO wiederum sollte auf der Grundlage verschiedener Zukunftsszenarien überblicken, welche Risiken mit diesen Einzelstrategien verbunden sind, und wenn nötig für Ausgleich sorgen. Außerdem sollte er gegenüber dem Finanzmarkt das Risikoprofil des Konzerns kommunizieren.
Woll. Wenn ich das nämlich auf ein Kleinunternehmen übertrage, habe ich wieder den klassischen Gemischtwarenladen. Denn natürlich bin ich als Kleinunternehmer mit Bauchladen in all den Bereichen, in denen ich arbeite, ein bisschen spezialisiert, soll heißen: Ich weiß, was ich da tue.
Und natürlich mache ich automatisch in den Segmenten mehr, die besser laufen, schon, weil da mehr Aufträge kommen. Ist das der Ausgleich, für den ich als CEO sorgen muss, Mr. Raynour?
Oder was meinen Sie, Mr. Raynour, wie könnte ich als Kleinunternehmerin Ihre Thesen umsetzen?
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F: Oder was meinen Sie, Mr. Raynour, wie könnte ich als Kleinunternehmerin Ihre Thesen umsetzen?
A: Als einzelner (Klein)Unternehmer spezialisieren und mittels Netzwerk einen Gemischtwarenladen. Jeder holt für sich das meiste raus und ist dennoch schlagkräftiger und erfolgreicher als (wirklich) allein.
@Tomas, hey, stimmt, das wär eine Idee. Netzwerkeln auch in dieser Richtung mach ich aber sowieso schon. Andererseits: Würde man das konsequent machen, muss man ja auch wieder für den Gemischtwarenladen Kunden/Jobs akquirieren, was die Spezialisierung auch wieder verwässert…
Es gibt m.E. nur ein sowohl als auch, wenn das Angebot zu vielfältig ist, wird man immer hinter den Spezialisten herhinken.
Wenn man sich nur spezialisiert, dann kann es so gehen, wie es derzeit vielen Baufirmen gibt, die sich auf den Wohnungsbau, der derzeit darniederliegt, spezialisiert haben, während es in anderen Baubereichen deutliche Zuwächse gibt
an sich mache ich genau das (Gemischt) und habe durchaus mal das einen oder andere strategische Problem dabei. andererseits zeitgt sich, dass aus meiner ‘abteilung f&e’ oder aus der abteilunbg ‘an sich unrentabel’ immer mal weieder rentable projekte entstehen. Insofern… zudem hält das auch mental flexibel, ich lerne viel dabei und bin auch als einzel-Freier im netzwerk ein ‘lernendes Unternehmen’.